Verkehrsministerium plant Maßnahmen für mehr Sicherheit beim Motorradfahren

Das österreichische Verkehrsministerium will mehr Praxis und eine bessere Vorbereitung auf anspruchsvolle Motorradstrecken erreichen. Das vergangenen Pfingstwochenende war mit 13 tödlichen Unfällen auf Österreichs Straßen die schlimmste Pfingstwoche seit 2007. Alleine neun Unfälle passierten mit dem Motorrad. Aus diesem Grund hat Verkehrsministerin Doris Bures eine Expertenrunde in das Ministerium eingeladen

Die Polizei, Verkehrsexperten des Ministeriums, der Verkehrsklubs, von KfV, Arge2Rad und den Fahrschulen haben gemeinsam das Pfingstwochenende analysiert und Lösungsvorschläge entwickelt. Eine Reihe dieser Vorschläge will die Ministerin rasch umsetzen und meint dazu:

Wir dürfen keine Zeit verlieren. Die Unfalluntersuchung zeigt uns, was getan werden muss. Es geht vor allem um die Motorradfahrer. Hier werden wir bei der Führerscheinausbildung nachschärfen. Zusätzlich wird das Verkehrsministerium die erfolgreiche Unterstützung für Fahrtechniktrainings verlängern. Und von der Exekutive kommt die Zusage, dass sie ihre Kontrollen an den verkehrsreichen Wochenenden nach Möglichkeit noch verstärken wird.

Tödliche Unfälle wären vermeidbar

Die Analyse der Unfallursachen ergibt, dass die meisten tödlichen Unfälle vermeidbar gewesen wären. Die Verunfallten waren allesamt männlich und kamen aus allen Altersgruppen zwischen 25 und 69 Jahren. Die Hauptgründe waren:

  • Nicht angepasster Geschwindigkeit
  • Fahrfehler
  • Unachtsamkeit
  • Riskante Überholmanöver

Immer mehr Motorräder auf den Straßen

Die Zulassungszahlen von Motorrädern sind in den letzten Jahren deutlich über denen der PKW gestiegen. Im Vorjahr waren 450.000 Motorräder (inklusive Leicht- und Kleinmotorräder) zugelassen, das sind um 150.000 oder 50 % mehr als im Jahr 2003.

Reform der Motorrad-Führerscheinausbildung

Durch eine Reform der Führerscheinausbildung soll mehr Praxis, weniger Theorie und eine gute Vorbereitung auf anspruchsvolle, schwierige Motorradstrecken im Rahmen der Ausbildung erreicht werden. Die Hauptzielgruppe sind jene Motorradlenker, die den Direkteinstieg für die großen Maschinen wählen können, aber auch für Lenker ab 39 Jahren werden Anpassungen in der Führerscheinausbildung überlegt. Sieht man sich die Vorschläge im Detail an, wird es eng um die geliebte Freiheit auf dem Zweirad. Und, das ganze Hobby wird teuer.

Kalte Kuchl Motorradfahrer
Kalte Kuchl schon bald auf der schwarzen Liste der Motorradstrecken in Österreich?

Nach einem „Buddy“-System sollen bestimmte, gefährliche Strecken für Späteinsteiger nur noch in Begleitung eines, ähnlich wie bei einer Tauchausbildung, erfahrenen Bikers befahren werden dürfen. Beliebte Motorradstrecke, wie die „Kalte Kuchl“ in Niederösterreich wäre nur noch mit einer zusätzlichen Ausbildung befahrbar, wenn es nach dem Vorschlag der kfv ginge. Welche Motorrad-Routen auf der schwarzen Liste stünden, liegt beim Ministerium. Laut Othmar Thann vom Kuratorium für Verkehrssicherheit machen die meisten Biker aus finanziellen Gründen den den A-Schein später.

Sofortmaßnahmen: Mehr befristete Tempolimits

MotorradpolizeiAls Sofortmaßnahme ersucht das Verkehrsministerium die zuständigen Behörden, befristete Tempolimits auf Strecken mit besonders vielen Unfällen zu erlassen.
Die Polizei hat bereits zugesagt, diese Strecken auch verstärkt zu kontrollieren.

 

20€ Gutschein für Fahrtechniktrainings

Die erfolgreiche Gutscheinaktion für Motorradfahrtechniktrainings wird bis Ende Juli 2014 verlängert. Im April und Mai haben mehr als 1.100 Motoradfahrer den bmvit-Gutschein eingelöst. Der Gutschein kann auf der Website des bmvit herunter runterladen und bei ÖAMTC oder ARBÖ einlöst werden.  Die Schwerpunkte des ganztägigen Trainings sind

  • Kurventraining und Blickführung für mehr Fahrsicherheit
  • Gefahrenanalyse, Notbremsungen und Ausweichmanöver

um Motorradfahrer auf heikle Situationen vorzubereiten. Der Bonus kann nur einmal pro Person und Training in Anspruch genommen werden. Motorradfahrtechniktrainings sind in allen ÖAMTC oder ARBÖ Fahrtechnik buchbar.

Link: Gutschein (PDF) downloaden

ÖAMTC begrüßt Sicherheitsmaßnahmen

Georg Scheiblauer, Motorrad-Chefinstruktor der ÖAMTC Fahrtechnik, zu dem geplanten Sicherheitspaket von Verkehrsministerin Bures:

Die Kombination von verstärkter Fahrpraxis und regelmäßigem Training durch erfahrene Instruktoren ist die einzig sichere Maßnahme, um Fahrfehler zu vermeiden und in der Folge Alleinunfälle zu reduzieren. Eine bessere Fahrtechnik führt zu besserer Kurven- und Geschwindigkeitseinschätzung und kann Unfälle verhindern oder die Folgen abmildern. Die Verlängerung der Gutscheinaktion für Motorradfahrtechniktrainings bis Ende Juli begrüßen wir sehr – ein wichtiger Schritt zu mehr Verkehrssicherheit.

ÖAMTC Fahrtechnik Motorrad-Training

Das Motorrad Aktiv Training beim ÖAMTC besteht aus den Inhalten

  • Fahrphysik
  • Lenktechnik
  • Kurventechnik
  • Handlingparcours
  • Gefahrenanalyse
  • Notbremsen und
  • Ausweichen

Enge Radien, Serpentinen und Kurvenkombinationen zwingen laut dem Motorrad-Chefinstruktor zur richtigen Blicktechnik und Fahrlinie. Gleichzeitig bringen Kurventraining und Blickführung Fahrsicherheit. Gefahrenanalyse, Notbremsungen und Ausweichmanöver bereiten auf heikle Situationen vor. Beim Motorrad Dynamik Training wird das Handling bei höheren Geschwindigkeiten trainiert.

Reaktion vom ARBÖ: Sicherheits-Paket von Verkehrsministerin Bures weiterer wichtiger Schritt

Die dramatische Entwicklung bei den Motorradunfällen und Verkehrstoten in der ersten Jahreshälfte verdeutlicht einmal mehr, dass man nach Meinung des ARBÖ jede Initiative zur Hebung der Verkehrssicherheit nützen sollte. Mag. Kurt Sabatnig, Leiter der ARBÖ-Interessenvertretung meint dazu

Eine noch stärkere praxisorientiertere Motorrad-Führerscheinausbildung für Direkteinsteiger aber auch für Späteinsteiger ab 39 Jahren, so wie es Verkehrsministerin Bures in einer Novelle des Führerscheingesetzes plant, macht absolut Sinn und wird von uns auch unterstützt. (…) Man sollte auch nicht alles schlecht reden. Einerseits haben die vielen Maßnahmen der zuständigen Bundesministerien für Verkehr und Inneres, der ASFINAG und die Bewusstseinsbildungs-Kampagnen von KFV, ARBÖ & Co Jahr für Jahre gegriffen. Mit zusätzlichen Maßnahmen wird man auch dort wieder ansetzen können. Fahrsicherheitstrainings unabhängig von der Altersgruppe machen Sinn und wirken präventiv.

Angesichts der ARBÖ-Beobachtungen zu Pfingsten, dass bei heißen Temperaturen immer mehr Biker mit kurzer Hose und T-Shirt auf Österreichs Straßen und auch Autobahnen unterwegs waren, der Appell vom ARBÖ:

Mit unzureichender Motorrad-Ausrüstung und Sicherheitsbekleidung unterwegs zu sein, kann im Falle eines Unfalls tödlich sein. Hier muss Bewusstsein für eine positive Verhaltensänderung bei den Bikern erreichet werden.

Foto: Bildagentur Zolles / Robert Zolles

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